Als Blinder unabhängig in Traubing leben

Mobilität ohne Führerschein

Ich bin von Geburt an stark sehbehindert. Mit einem Sehrest von
ca. 5% gelte ich laut Gesetz als Blind. Das hält mich jedoch nicht ab, ein völlig normales Leben zu führen, mit meiner Lebensgefährtin im Häuschen meiner Großeltern in Traubing zu wohnen und täglich zur Arbeit nach München zu pendeln.

Probleme gibt's natürlich schon. Ich erkenne beispielsweise Leute auf der Straße nicht. Das wird dann manchmal als unhöflich empfunden, weil Leute nicht daran denken, oder nicht wissen, dass ich sehr schlecht sehe. Bücher, Zeitung oder Aufdrucke beim Einkaufen lesen ist auch nicht drin, aber Technik macht inzwischen Vieles möglich. Als Softwareentwickler kann ich mir da natürlich auch selbst weiterhelfen.

Mobilität ist aber das größte Problem, da hier am Land alle Mobilität aufs Auto ausgerichtet ist.

Mein bisheriges Engagement für Barrierefreiheit hat gezeigt, dass alles, was die Lebensumstände Behinderter erleichtert, auch vielen Leuten nützt, die sich nicht als behindert begreifen.

Ich "sehe" deshalb mein politisches Engagement als Interessensvertretung für Menschen z. B. ohne Führerschein, für Eltern, die ihre Kinder bedenkenlos zur Schule gehen lassen wollen, und auch für Menschen, die sich unwohl fühlen, auf unbeleuchteten Straßen durch einen Ort zu gehen.
Nicht nur mit unseren Jugendlichen hab ich gemein, dass wir bei abendlichen Unternehmungen schauen müssen, wie wir denn wieder sicher nach Hause kommen. Auch Senioren erleichtert Barrierefreiheit ihr Leben und erhält ihre Mobilität.

2014 kandidierte ich auf der ÖDP Liste für den Gemeinderat. Leider habe ich den Einzug in den Gemeinderat nicht geschafft. Ich kämpfe aber weiterhin für meine Ziele. Dafür nutze ich natürlich die während des Wahlkampfes entstandenen guten Kontakte zu den neuen Mandatsträgern. Da ich das Programm für die Tutzinger ÖDP maßgeblich mitgestalten durfte, werde ich mich jetzt natürlich für die Umsetzung einsetzen.




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